Vom Musikertreff zur riesigen Rock-Party

Montag, 28. Dezember 2015

Vom Musikertreff zur riesigen Rock-Party

Abfeiern und abtanzen zu fetziger Live-Musik: Tolle Stimmung bei der 37. Weihnachtssession in der Sindelfinger Stadthalle

Mächtig was los auf der Bühne: Die personalstarke Point of View Session Band war für viele Gäste der Höhepunkt bei der Sindelfinger Weihnachtssession in der Stadthalle Foto: Bernd Epple
VON BERND EPPLE / Kreiszeitung „Böblinger Bote“ vom 28.12.2015
SINDELFINGEN. Am 26. Dezember 1979 trafen sich die Sindelfinger Musiker Joachim "Jokes" Pflieger und Thomas "Schladdi" Schlüter erstmalig mit befreundeten Musikern und Freunden, um dem zweiten Weihnachtsfeiertag eine neue Bedeutung zu verleihen. Weil so mancher aufgrund seines Studiums oder arbeitsbedingt nicht mehr in der Heimat weilte, wollte man sich wenigstens einmal im Jahr wiedersehen. Was im überschaubaren Rahmen begann, hat inzwischen gewaltige Dimensionen angenommen.
"Dem Feiertagstrott entfliehen, Leute und alte Bekannte treffen und dabei noch richtig gute Musik machen und erleben", so lautete das Motto damals wie heute. Was im Foyer der Stadtbibliothek begann, wurde mit den Jahren über mehrere Stationen in die Sindelfinger Stadthalle verlagert. Schon im zweiten Jahr beschloss man, mit dem neugegründeten Verein IG Kultur zusammenzuarbeiten. Das ist bis heute eine tragfähige Partnerschaft, die sich zudem auf die Fahnen geschrieben hat, den Erlös gemeinnützigen Zwecken zugutekommen zu lassen.
Zum anderen werden über den Getränkeverkauf Rücklagen geschaffen, mit denen die Events der IG Kultur im Pavillon mitfinanziert werden können. Zur diesjährigen Party überreichte Viktor Schmidt von der Sparda-Bank 2000 Euro - ein willkommenes Geschenk, das im Pavillon zur Finanzierung weiterer kultureller und sozialer Engagements beitragen soll.
Verliefen sich die Besucher kurz nach Hallenöffnung noch im Foyer, entwickelte sich das später eher zu einem Geschiebe. Angeregte Gespräche an Stehtischen, Wiedersehensfreude, Umarmungen und Schulterklopfen allseits. Kaum jemand bekam wohl alle Takte auf der Bühne mit. Da ging man eher gezielt mal in den Konzertsaal hinein, um eine bestimmte Band zu hören.
Auch Birgit Groß und Christine Schindler aus Sindelfingen hatten ihre Favoriten: die Point of View Session Band und SonicMission. Doch da mussten sie sich erst mal eine Weile gedulden. Den Auftaktmachte Session pur. Das waren Musiker, die sich übers Internet bei Tobias Götzmann gemeldet haben. Der Gitarrist und Lehrer an der Sindelfinger Musikschule kümmert sich um die richtige Mischung und stellt die Bands zusammen, die dann rockige Covernummern zum Besten geben. Die Besetzungen wechselten bei diesem Teil des Abends munter durch. "Mas que nada", "Bring Me Some Water" oder "Long Train Running" sind nur einige der Standards, die von engagierten und gut aufgelegten Musikern zu hören waren.
Ex-Baobab-Perkussionist Helmut Kristmann trat danach mit The Cubes auf, einer Blues-Formation aus dem Raum Ludwigsburg. Als dann mit Jokes Pflieger (Keyboards) und Beatrice Nuber-Mathé (Vocal) zwei weitere Ex-Baobab-Musiker mit The Treats auftraten, strömten weitere Gäste aus dem Foyer in den Saal. Kein Wunder, schließlich genießen diese Musiker schon seit Baobab-Zeiten in den 80ern einen guten Ruf.
Dann wurde Werner Schumacher auf die Bühne gebeten, um ihn nach jahrzehntelanger Federführung an der Tontechnik gebührend zu verabschieden. Das "Urvieh" der Sindelfinger Rockkultur will jetzt Session wohlverdienten Ruhestand genießen.
Druckvolles Finale mit 200BAR
Längst überregionale Musikgrößen sind Johnson & Johnson. Vater Martin (Keyboards) und Sohn Lucas (Drums) sind trotz jeweils vollem Terminkalender wann immer möglich bei den Sessions dabei. An diesem Abend wurden sie von Tobias Götzmann (Gitarre) und Michael Walter (Bass) begleitet. Den bluesig-kochenden Orgelsound seines Vaters garnierte Lucas Johnson mit hochgenüsslichen Drum-Figuren.
War der Saal bis dato schon gut gefüllt, hielt es zum Highlight des Abends kaum jemanden mehr im Foyer. Die Point of View Session Band beeindruckte allein schon mit knapp 20 Musikern auf der Bühne.
Eine brachiale neunköpfige Bläser-Section sorgte für Groove. "Spinning Wheel" oder "25 Or 6 To 4" waren prädestinierte Stücke, um den Saal zum Kochen zu bringen. Lucas Hansens "Joe Cocker"-Röhre und Beatrice Nuber-Mathés Powerstimme taten ein Übriges.
Sonicmission schließlich beschränkte sich bei ihrem "Geradeaus"-Rock auf wenige Akkorde, spielte aber sehr versiert und mit der gut intonierten Gesangstimme Yves Oberländers ihren Stil konsequent durch. Den Schlusspunkt setzte die Band 200BAR. Hier war der Name Programm: Entweder blies der Lautstärke-Druck feinfühlige, noch gut hörende Menschen aus dem Saal - oder man schwang das Tanzbein. Die meisten entschieden sich für letzteres. Die Veranstaltung endete erst nach Mitternacht. Kommunikationsfreudige als auch Musikliebhaber kamen voll auf ihre Kosten.