Altes Konzept, frisches Publikum

Montag, 28. Dezember 2009

Altes Konzept, frisches Publikum
Mit Freikarten für Abiturienten will die IG-Kultur auch junge Leute zur Weihnachtssession locken

Die Sindelfinger Weihnachtssession startet im 31. Jahr mit altem Konzept und neuer Idee. Nicht nur Gäste ab 40 sollen sich zukünftig auf der Party tummeln, sondern auch solche, die mit unter 30 bisher nicht zur Stammkundschaft gehört haben.

Von Anna Hunger

SINDELFINGEN. Normalerweise würde Wolfgang Moosbrugger aus Sindelfingen wahrscheinlich an einem Abend wie dem zweiten Weihnachtsfeiertag zuhause auf der Couch liegen und sich fernsehenderweise von all der familiären Weihnachtsharmonie erholen. Aber weil am 26. Dezember 2009 die Glotze mit Sissy 3 aufwartet, und Wolfgang Moosbrugger schon die ersten beiden Teile versäumt hat, ist er eben zur Weihnachtssession gegangen. Schon in den vergangenen Jahren scheint das Fernsehprogramm wenig zufriedenstellend gewesen zu sein. Denn Moosbrugger ist seit ein paar Jahren Dauergast der Session in der Sindelfinger Stadthalle. "Meine Frau und ich kommen fast regelmäßig hierher", sagt er. "Da trifft man immer wieder alte Freunde und Bekannte, die man sonst nicht sieht."

Bekannterweise ist die Sindelfinger Weihnachtssession für ältere Semester das, was die Offenen Tage im Forum für die jüngere Generation sind: eine Wiedersehensfeier bei guter Musik, gutem Essen und einem oder zwei Gläschen Wein. In diesem Jahr ist das anders.

Trauben junger Leute ziehen an der meterlangen Schlange an der Kasse vorbei und pfriemeln Freikarten aus den schlabberigen Hip-Hopper-Hosen. 450 Tickets hat der Veranstalter IG-Kultur drucken lassen und an die Sindelfinger Gymnasien verteilt. Zur Session geladen sind die, die 2010 Abitur machen werden und die, die in diesem Jahr ihre Schulzeit hinter sich gebracht haben. "Die Weihnachtssession veraltet langsam aber sicher", sagt Brigitte Pflieger, die seit dreißig Jahren zum Orga-Team rund um die Nachweihnachtsparty gehört. "Es war dringend nötig, dass wir unser Konzept auch bei den Jüngeren bekannt machen und mehr Gäste hierher locken, als in den vergangenen Jahren."

Deshalb hat Wolfgang Moosbrugger die Party in Sindelfingen gleich mal seiner Tochter Eva empfohlen, die seit Beginn des Wintersemesters in Stuttgart studiert. Und Eva Moosbugger hat ihre Freundin Lena Wunderlich eingepackt, die seit ein paar Monaten in Freiburg Mathe und Geografie paukt. Die Rekrutierung des Nachwuchses scheint zu klappen. Um halb zehn haben die beiden Freundinnen schon ein paar ehemalige Klassenkameraden getroffen und ein bisschen übers Studentenleben geplaudert, über volle Hörsäle, die Zukunft und Vergangenheit und über Achter-WGs, die grundsätzlich immer irgendwie schmuddelig aussehen, weil Mama eben nicht mehr aufräumen kommt. "Die Musik ist nicht so unser Ding", sagt Lena Wunderlich. "Aber ansonsten ist es eine echt gute Veranstaltung."

Aber Musik ist eben Geschmacksache. Traditionsgemäß wird von sieben bis acht Uhr gejammt. Die folgende Dreiviertelstunde gehört der Band "The Cube". Dann dürfen die "Point of View Session Band" und Karin Cestari mit der Cover-Band "Major 5" auf die Bühne. Mehr als 30 Bewerbungs-CDs sind in diesem Jahr auf dem Schreibtisch des Orga-Teams von der IG-Kultur gelandet. Traditionell am 6. Dezember, wenn der Nikolaus sich mit seinen Rentieren schon wieder auf den Heimweg macht, sitzen Pflieger und Konsorten im Grünen Baum in Mauren und beratschen bei Linsensuppe und Wiener Schnitzel, wer auf der Bühne die Gitarrensaiten malträtieren und die Schlagzeugstöcke wirbeln lassen darf.

"Wir versuchen jedes Jahr ein paar neue Bands auszuwählen, die noch nie hier gespielt haben", sagt Brigitte Pflieger. "Natürlich gibt es auch die Klassiker wie "Martin Johnson & Friends", aber wir versuchen auch junge Musik auf die Bühne zu bringen." Die allerdings muss auch mit dem älteren Publikum funktionieren. "Hörbar sein", nennt es Pflieger. Kein Krach, kein stressiges Heavy-Metal-Geschrammel. Deshalb darf in diesem Jahr "Super Bleifrei" an den Start, die schon beim Sindelfinger ICE bewiesen haben, dass man auch in jungen Jahren hochkarätigen Sound auf die Bühne bringen kann.

Neben guter Musik gibt es natürlich auch die kulinarischen Klassiker wie Butterbrot mit Schinken, Austern aus dem französischen Becken von Arcachon und leckere Weine aus biologischem Anbau. Den Gästen gefällt's. Um kurz vor zehn haben die Damen an der Kasse schon rund 700 Eintrittskarten verkauft. Im kommenden Jahr sollen es noch mehr werden. Denn wenn die geladenen Abiturienten Gefallen finden an der Sindelfinger Weihnachtssession, startet die Party 2010 wieder mit deutlich gesenktem Durchschnittsalter.

Das rockt: Karin Cestari mit der Cover-Band "Major 5" bei der Weihnachtssession in der Sindelfinger Stadthalle Foto: Markus Brändli