Zur festen Größe in der Region geworden.

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Zur festen Größe in der Region geworden
33. Weihnachtssession in der Stadthalle: Über 1000 Besucher entflohen am zweiten Weihnachtsfeiertag wieder dem Feiertagstrott

Traditionell fand am 26. Dezember wieder
die Weihnachtssession in der Sindelfingen
Stadthalle statt – inzwischen bereits zum
33. Mal. „Mittlerweile denke ich, dass es
sich noch länger halten wird“, blickte
Mitorganisator Thomas Schlüter angesichts
von über 1000 Besuchern zuversichtlich in
die Zukunft.
Von Florian Lieb
SINDELFINGEN. Die jungen Musiker der
Böblinger Band Rimshot begannen, Platz
auf der Bühne für die nächsten Künstler zu
schaffen, da machten sich vereinzelt Rufe
nach einer Zugabe aus dem Saal der Stadthalle
stark. „So schön das wäre, bei uns gibt
es keine Zugabe“, vertröstete sie Joachim
Pflieger, der Mitorganisator der
Weihnachtssession. „Die Zugabe ist das
nächste Set.“ Und ohnehin war keine Zeit
für eine Zugabe, lag der Session doch ein
enger Zeitplan zugrunde, der sich zu diesem
Zeitpunkt bereits um gut 20 Minuten verzögert
hatte.
Vor 33 Jahren luden Joachim Pflieger und
Thomas Schlüter zum ersten Mal dazu ein,
am zweiten Weihnachtfeiertag dem Feiertagstrott
zu entfliehen, Bekannte zu treffen
und dabei noch gute Musik zu erleben.
„Jetzt sind wir dabei alt geworden“, blickt
Pflieger amüsiert auf die letzten drei Jahrzehnte
zurück. Ungeplant und aus der Not
geboren hatte man sich am 26. Dezember
1979 getroffen, dennoch kamen damals bereits
400 Besucher. „Und jetzt ist es eine
feste Größe“, sagt Pflieger und die Hundertschaft
an Besuchern gab ihm Recht.
Mehrere von ihnen versammelten sich
nach dem Set von Rimshot im Halbkreis vor
der Bühne, noch ehe die Band vollends von
dieser verschwunden war. Spannend wurde
der Auftritt der Sindelfinger Mädchen-
Gruppe FouR TwinS erwartet, die sich
sofort anschickten, den Klassiker „Lady
Marmelade“ anzustimmen. Und es hatte
etwas Absonderliches, wie die Teenager zur
Begeisterung des Publikums lasziv „Voulezvous
coucher avec moi?“ ins Mikro hauchten.
Stimmungsvoll war auch der Auftritt der
von Joachim Pflieger zusammengestellten
Point of View Session Band. „Wir haben alle
Musiker aus dem Ländle eingesammelt, die
wir finden konnten“, scherzte Pflieger bezüglich
seines Session-Experiments. Zum
Besten gab die Band dann unter anderem
Lieder von Nina Simone, Sergio Mendes und
Tina Turner, während sich am Ende 14
Musiker die Bühne zu teilen versuchten.
„Der Session-Gedanke ist spannend“, findet
Pflieger. „Die Bandmitglieder kommen aus
allen Ecken.“ Zum Beispiel Gitarrist Elmar
Schlecker, der 2002 aus der Region wegzog
und nun eigens aus Lörrach anreiste.
Auch viele ehemalige Sindelfinger und
Böblinger nutzen die Weihnachtssession
wieder als Treff an Weihnachten, und so war
das Gedränge im Foyer teils größer als im
Saal. Querbeet durch alle Milieus versammelte
sich das Publikum von jung bis alt –
egal ob lang- oder kurzhaarig, im Anzug
oder leger in Jeans und Pullover. Zu Treffen
galt es dabei nicht nur Bekannte im Foyer,
sondern auch unter den Musikern. „Da sind
Leute da, die kennen die da oben auf der
Bühne“, weiß Joachim Pflieger.
So dürften Rimshot, FouR TwinS oder der
17-jährige Lucas Johnson mit seinem Projekt
nju:funk ihr eigenes Publikum mitgebracht
haben.
Speziell nju:funk wurden dann nochmals
auf die Verspätung im Zeitplan hingewiesen.
„Gebt mal Gas, die Halle und die Fotografen
kosten ein Schweinegeld“, erklärte Pflieger
angesichts der nunmehr halbstündigen Verzögerung
wohl nur halb im Spaß. Letzterer
ist wiederum ausschlaggebend, weshalb die
Weihnachtssession drei Jahrzehnte überdauert
hat. Zwar gesteht Pflieger, dass es „zwischendurch
mal weniger Spaß gemacht hat,
wegen einiger Musikrichtungen“, dennoch
dürfte die Session noch lange stattfinden.
Schließlich ist sie selbst inzwischen zur
Weihnachtstradition geworden.

Hier geht der Punk ab, auch wenn’s kein Punk ist, der hier von der Bühne schallt:Weihnachtssession in der Stadthalle KRZ-Fotos: Simone Ruchay-Chiodi

Nomen est omen: die Band „Play“ spielte mit größtem Spaß an der Sache

Kehlkopf kreativ: Sängerin
Katharina war
einer der Künstlerinnen,
die ans Mikrofon
traten und mit
den Musikerinnen
und Musikern auf der
Bühne jammten.