Die Session zieht in die gute Stube ein

Samstag, 23. Dezember 2006

23.12.2006
Die Session zieht in die gute Stube ein

Sindelfingen: Weihnachtskonzert der Interessengemeinschaft Kultur geht erstmals in der Stadthalle über die Bühne / Junge Bands sorgen für Generationswechsel

Von unserem Redaktionsmitglied Peter Bausch

Lausig kalt ist es, durch die Ritzen der alten Fabrikhalle zieht ein bisschen frische Luft, schwarze Plastikfolien an den Wänden schaffen ein wenig Gemütlichkeit. Manfred Zöller, damals Chef der Interessengemeinschaft (IG) Kultur, träumt: "Wenn wir irgendwann einmal in die Stadthalle dürfen, sind wir in Sindelfingen angekommen." Das war 1981 in der Maichinger Concordia. Am 26. Dezember 2006 geht die Weihnachtssession erstmals in der Stadthalle über die Bühne.

Die Session zieht in die gute Stube der Stadt ein. Ganz freiwillig ist der Umzug nicht gewesen. "Die Klosterseehalle hatte für uns eine große Bedeutung", sagt Thomas Schlüter, der schon bei der allerersten Session 1979 im Foyer der Stadtbibliothek dabei war: "Bei allen Abstrichen wegen der problematischen Akustik und des winzig kleinen Foyers: Diese Halle war für Sindelfingen der Rockpalast, hier spielten vor über dreißig Jahren Fleetwood Mac, Chicken Shack, Kraftwerk, Nektar oder Wolfgang Dauners Et Cetera."

Klosterseehalle ist vermietet

Die Klosterseehalle ist seit Herbst 2006 aus dem Angebot der Sindelfinger Veranstaltungsgesellschaft (SVG) verschwunden. Gemeinderat und Stadtverwaltung hatten in der Finanzkrise das zur Gartenschau 1990 komplett renovierte Gebäude auf die schwarze Liste gestellt. Der Saal, der in der Vergangenheit Herberge für so unterschiedliche Veranstaltungen wie Simsalon, den Partnerschaftsabend der Stadt, Feste von ausländischen Vereinen oder eben die Weihnachtssession beherbergte, ist heute an das Jolo-Kinderland vermietet.

Ende einer langen Odyssee

Die Entscheidung über die Vermietung ist im Sommer gefallen. Die Session-Macher, die in ihrer 27-jährigen Geschichte nach einer Odyssee in der Stadtbibliothek, in der längst abgerissenen Concordia, im Schubartsaal, im Kulturpavillon oder in der Turn- und Festhalle Maichingen 1991 glücklich in der Klosterseehalle gelandet waren, standen wieder einmal ohne Domizil für das Aushängeschild der IG Kultur da.

"Das Ziel, in die Stadthalle zu gehen, spukt schon eine Weile in den Köpfen herum", sagt Thomas Schlüter, im Hauptberuf Hausmeister in der Schule für Musik, Theater und Tanz (SMTT): "Aber wir hatten Bammel, die Halle wird zu teuer für uns. Außerdem ist die Bewirtschaftung für die Session eine Finanzquelle, die das Konzert in diesem Ausmaß erst möglich macht."

Thomas Schlüter, der zusammen mit Joachim Pflieger, Brigitte vom Hagen-Pflieger, Berthold Demel, Albrecht Barth und Werner Schumacher die Session durch alle Stürme und Unwetter der Vergangenheit gelotst hat, peilt die Stadthalle jetzt als sicheren Hafen für die Zukunft an. Unterstützung gibt es vom Kulturamt und vor allem von der SVG. Geschäftsführer Hartmut Junker war letzte Woche beim Weihnachtskonzert von Liederkranz und Stadtkapelle schon von den neuen Partnern begeistert: "Das ist hervorragend organisiert. Solche eine Veranstaltung darf einfach nicht sterben." Parkrestaurantchef Jürgen Lahann ist Sponsor, weil er die Bewirtschaftung der Halle den Leuten von der IG Kultur überlässt.

"Wir schlagen ein neues Kapitel auf", sagt Thomas Schlüter: "Im Organisationsteam arbeitet seit Jahren der harte Kern, aber auf der Bühne stehen immer mehr junge Leute, die viel Schwung, ihre Fans und zum Teil ihre Eltern mitbringen. Hier deutet sich ein Generationswechsel an." Einfacher ist auf jeden Fall der Auf- und Abbau: "Die Halle ist dafür ideal. Wir fangen am Dienstag um 13 Uhr an und hoffen, dass wir am Mittwochmorgen um 3 Uhr fertig sind." Session-Macher und IG Kultur haben schon einmal die Option für den 26. Dezember 2007 gezogen: "Mit dem Bleistift." Bis dann ist der nächste Wechsel schon programmiert, wenn nämlich SVG und Böblingens Kongresszentrum unter ein gemeinsames Dach kommen, so wie es die Kommunalpolitiker auf beiden Seiten der Autobahn vorsehen.

Die Weihnachtssession 2006 wird am Dienstag, 26. Dezember, gegen 19 Uhr mit dem Jam-Teil von Tobias Götzmann eröffnet. Auf der Bühne wechseln sich bis 1 Uhr am Morgen Somnium, Moritz Stachelhaus und seine Band, Desert Storm, Free of Charge, Raging Scum und Tokame mit Yaqueline Castellanos und Branko Arnsek ab.

Unter www.weihnachtssession.de gibt es weitere Informationen im Internet.