Die Wachablösung unter Schneeflocken

Mittwoch, 28. Dezember 2005

28.12.2005
Die Wachablösung unter Schneeflocken

Sindelfingen: Drei junge Bands bei der 27. Ausgabe der Weihnachtssession in der Klosterseehalle / Martin Johnson kommt mit exquisit zusammengestellter Jazzlounge

Von unserem Redaktionsmitglied Peter Bausch

Morgens um 2 Uhr stehen sie draußen vor der Klosterseehalle. Willi Stachelhaus, schneeweiße Haare und gezwirbelter Schnurrbart, schwätzt mit einem Nordic-Walker, der noch eine Nachtrunde dreht. Sohn Moritz verlädt die Instrumente im Auto. Die Wachablösung bei der Sindelfinger Weihnachtssession ist vollzogen. Jetzt sind die Jungen dran.

"Klar ist es etwas Besonderes, wenn man Stachelhaus heißt und in Sindelfingen spielt", sagt Moritz Stachelhaus. "Aber wir machen mit der eigenen Band unser Ding", sagt der junge Gitarrist von Skirmish. Die Formation aus dem Gäu mit Sängerin Janika Kuge hat Anfang des Jahres den ersten Preis bei der Premiere des Wettbewerbs "Jugend musiziert Pop" in Sindelfingen bekommen und bekommt kurz vor Mitternacht den Schlussauftritt in der Klosterseehalle.

"Wir haben die junge Band ganz bewusst zum Finale der 27. Session auf die Bühne geschickt", sagt der Dagersheimer Joachim Pflieger, der die Jahre zuvor mit seiner eigenen Formation Timeless den letzten Auftritt vor dem gemeinsamen Schlusslied bestritt. "Es macht einfach Spaß, zu sehen, wie sich die Jungen entwickeln."

Skirmish ist ein Musterbeispiel dafür, wie Joachim Pflieger, Thomas Schlüter und Werner Schumacher als Organisatoren die Sindelfinger Weihnachtssession Nachwuchsbands in das Programm einbauen. 2002 sind die Musiker um Moritz Stachelhaus mit einem Durchschnittsalter von gerade mal 16 Jahren die erste Band, die nach dem kurzen Session-Teil auf der Bühne steht. 2003 rücken Janika Kuge, Moritz Stachelhaus, Marc Haentjens, Sebastian Winckler und Daniel Hahn schon in den Mittelteil des Programms. 2004 räumen die Bluesrocker mit immer mehr eigenen Kompositionen richtig ab, holen Preise bei Wettbewerben in Sindelfingen, Pforzheim und Ulm, bringen ihre eigenen Fans mit zum Traditionskonzert in Sindelfingen.

Skirmish ist nicht das einzige Beispiel für frischen Wind bei der Session. Ebenfalls einen ersten Preis bei "Jugend musiziert Pop" haben "Peer Pressure" geholt, bei anderen Bandwettbewerben weit gekommen sind "Desert Storm". Die Szene lebt. "Gut, dass wir die Weihnachtssession als Plattform haben", sagt Werner Schumacher, der zum ersten Mal seit 26 Jahren nicht den ganzen Abend an den Reglern der Tonanlage saß, sondern sich den Luxus erlaubte, bei der Eingangs-Session mal wieder als Percussionist aufzutreten. Sohn Alex steht in den Startlöchern, hat Unterricht bei Jogi Nestel in Böblingen und sich bereits am Schlagzeug von "If you wanted to" versucht.

Premiere für Satu-Tanzensemble

Für Überraschungen ist die Session auch nach 27 Jahren noch gut. Thomas Schlüter hat die Idee bei der sommerlichen Wassermusik im Klostersee gehabt. Erstmals standen am zweiten Weihnachtsfeiertag Schlagwerker Klaus Küting und Sänger Ingo Sika auf der Bühne, die Choreographie des Satu-Tanzensembles von Heike Laws war allerdings nur für einen Bruchteil der wieder knapp tausend Zuschauer zu sehen.

Von Beliebigkeit ist keine Spur. Martin Johnson, Lehrer an der Böblinger Musik- und Kunstschule, hat seine Band Jazzlounge mit exquisiten Musikern wie dem Saxofonisten Hans-Martin Eberhardt, dem Trompeter und Stipendiaten der Kunststiftung, Hans-Peter Ockelt, dem Schlagzeuger Kai Richter, dem Gitarristen Andreas Fetzer und der SWR 1-Stimme Alex Kraus am Bass bestückt. Joachim Pflieger spielt sich mit seiner Formation "Timeless" wie immer durch den Garten der Pop-Klassiker und Willi Stachelhaus heizt mit Insanity durch das Bluesschema der Musikgeschichte. Den Bass verstaut Sohn Moritz erst im Auto, als draußen Schneeflocken vom Himmel fallen.