Mit Jimi Hendrix in die Zukunft

Dienstag, 28. Dezember 2004

28.12.2004

Sindelfingen: Rock-Klassiker bestimmen die 26. Auflage der Weihnachtssession in der Klosterseehalle
Mit Jimi Hendrix in die Zukunft

Von unserem Redaktionsmitglied Peter Bausch

Als Jimi Hendrix 1970 starb, gab es in Sindelfingen noch keine Weihnachtssession und Janika Kuge war noch nicht auf der Welt. Für die 17-jährige Sängerin der Band "Skirmish" ist Jimi Hendrix mit Songs wie "Purple Haze" trotzdem der Mittelpunkt zwischen Heavy Metal und Hip-Hop.

Der purpurne Dunst des Gitarrenhelds, der in der Zeit des Vietnamkriegs die amerikanische Nationalhymne in schrillen Riffs zerfetzte, zieht sich wie ein roter Faden durch die 26. Auflage der Weihnachtssession der Interessengemeinschaft (IG) Kultur.

Dabei haben "Skirmish" auf den Hendrix-Klassiker "Hey Joe" verzichtet. "Wir wollten möglichst viele eigene Songs spielen", sagt Janika Kuge. Gitarrist Moritz Stachelhaus, der 18-jährige Neffe des Bassisten Horst Stachelhaus, der bei der allerersten Session zum Reggae ansetzte, hat seine Vorliebe für Blues-Rock wenigstens in der Zugabe mit "Purple Haze" ausgelebt.

Trotz des Generationswechsels bei den Musikern stehten Klassiker weiter hoch im Kurs. Schon beim Session-Teil hat Musikschullehrer Tobias Götzmann, später mit der Formation "4 Groove" selbst auf der Bühne, Bob Dylans "All along the watchtower" ausgegraben. Dieser Song ist erst in der Hendrix-Version berühmt geworden.

Tausend Besucher trotz Matschwetter: Die Weihnachtssession hat ein Jahr nach der glanzvollen Ausgabe zum 25-jährigen Jubiläum nichts von ihrer Attraktivität eingebüßt. Organisiert wird das Fest weiter von Brigitte und Joachim Pflieger, Thomas Schlüter, Berthold Demel und Werner Schumacher, die im März dafür den Kulturpreis in Sindelfingen bekommen haben. Neu dabei ist eigentlich nur Robert Krülle.

"Das Publikum hat sich deutlich verjüngt", sagt Berthold Demel und selbst an der Theke im Foyer macht sich die nächste Generation bereit. Alexander (elf Jahre) und Anna Schumacher (13 Jahre) helfen ihrer Mutter Gisela, während Papa Werner Schumacher wie bei der ersten Auflage 1978 den Mischpult bedient.

Trotzdem bleibt die Session der Treffpunkt für die Leute, die Jimi Hendrix noch zu Lebzeiten gehört haben. Bei Austern und Bio-Wein aus Bordeaux scharen sich Antje Hofer, Walter Engl, Boris Böhne, Rolf Spieß und Toni Bras um Helmut Herrmann, den ehemaligen Grünen-Gemeinderat, der im Frühjahr 2000 mit seinem Movida-Projekt im alten Central-Kino auf dem Marktplatz für hoch fliegende Träume in der soziokulturellen Szene der Stadt gesorgt hatte.

Movida ist 2002 an der Finanznot der Stadt Sindelfingen gescheitert. Rund 20 Jahre vorher ist Bob Marley gestorben. Mit der Reggae-Hymne "Get up, stand up" verabschiedeten sich die Musiker aus allen Bands der 26. Sindelfinger Session am frühen Morgen in die Zukunft.