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Schnapsidee wird Dauerbrenner
20.12.2003
Jubiläum: Die Sindelfinger Weihnachtssession geht am 26. Dezember in der Klosterseehalle zum 25. Mal über die Bühne
Schnapsidee wird Dauerbrenner
Von unserem Redaktionsmitglied Peter Bausch
Der zweite Weihnachtsfeiertag war für Thomas Schlüter nie ein Problem. "Ich habe mir einfach meinen Bass geschnappt. Es hat immer geklappt, dass ich irgendwann einmal auf der Bühne gestanden bin und spielte." Thomas Schlüter gehört heute zum harten Kern der Organisatoren für die 25. Sindelfinger Weihnachtssession.
In der Klosterseehalle wird Thomas Schlüter, seit fünf Jahren Hausmeister der Schule für Musik, Theater und Tanz, mit seiner eigenen Band auf der Bühne stehen. Der Name ist Programm: Thomas und die Hausmeister. Dabei sind außer dem Bassisten Tobias Götzmann (Gitarre, Gesang, Percussion), Klaus Kreczmarsky (Saxophon, Gitarre, Keyboard), Michael Müller (Schlagzeug, Keyboard, Gesang) und Christoph Weigold (Keyboard, Gitarre, Violine). Und Thomas Schlüter wird am zweiten Weihnachtsfeiertag wahrscheinlich sogar seine eigenen Kinder im Publikum sehen.
"Manchmal erschreckt es mich, wenn ich höre, dass junge Sindelfinger mit dieser Session aufgewachsen sind", sagt Joachim "Jokes" Pflieger, der schon bei der allerersten Ausgabe 1979 auf der Bühne gestanden ist. Damals im Foyer der Stadtbibliothek, das ein paar Leute gemietet hatten, um nach dem Heiligen Abend endlich einen Treffpunkt zu haben, um die Altersgenossen wiederzusehen, die wegen Studium und Beruf in alle Winde verstreut waren, aber zum Heiligen Abend die Familie zu Hause besuchten.
Aus der Schnapsidee, die Musik als Vorwand zum lockeren Treff zu nehmen, ist ein Dauerbrenner geworden: Die Weihnachtssession hat alle Stürme überstanden und inzwischen überlegt sich der heute 49-jährige Joachim Pflieger gar nicht mehr, ob er auch die nächste Ausgabe organisieren wird: "Wir machen das einfach. Solch eine Geschichte darf man nicht aufgeben."
Joachim Pflieger und seine Frau Brigitte vom Hagen arbeiten seit zweieinhalb Jahrzehnten mit Werner Schumacher, Berthold Demel und Thomas Schlüter eng zusammen. Das ist das Team, das aus der Session, die das allererste Mal 1979 Charly Huschka, Jokes Pflieger, Lutz Gros, Winfried Heim, Helmut Kristmann, Ben Kaufmann, Hebbs Renz, Michael Dreher, Martin Hansen und als Stargast der frühere "Message"-Bassist Horst Stachelhaus bestritten, ein fast professionelles Konzert geworden ist.
"Früher haben wir unsere Anlagen zusammen gestöpselt und geguckt, ob es funktionierte", sagt der Dagersheimer IT-Berater: "Heute bekommen wir vom Soundworkshop Stuttgart und von der Renninger BLS eine Anlage, die alle Anforderungen eines Rock- und Pop-Konzerts erfüllt." Und Joachim Pflieger verlässt sich wie 1979 im Foyer der Bibliothek, wie 1981 in der Maichinger Concordia oder wie 1989 in der Turn- und Festhalle Maichingen auf den Ehninger Tontechniker Werner Schumacher: "Damals hat ein kleiner Mischpult gereicht."
Prinzipien-Treue
Ein paar Prinzipien haben sich in der jetzt 25-jährigen Geschichte der Sindelfinger Weihnachtssession nie geändert. Seitdem Horst Stachelhaus 1979 seine Musikerkollegen zu einem gemeinsamen Reggae zusammentrommelte, gibt es das Schlusslied aller Musiker: Die Sindelfinger All Stars, zu denen als älteste Band "If you wanted to" mit Joachim Kupke, Reiner Pfleiderer, Herbert Renz und Karlheinz Zaske gehören, wollen am 26. Dezember nach Mitternacht "Imagine" von John Lennon intonieren.
Wie das Schlusslied gehören die Spenden zum guten Ton der Session: Alle Musiker verzichten auf Gage. 1979 ging der Erlös an Amnesty International, 1990 an die Aktion "Nachbarn in Not", 2002 an den Mitveranstalter IG Kultur oder die Mobile Jugendarbeit Sindelfingen.
Bei aller Professionalität: Der Session-Charakter des Musikfestes, das im Schnitt gut tausend Zuschauer in die Klosterseehalle lockt, bleibt auch 2003 erhalten. Zwischen 18.30 und 20 Uhr ist die Bühne frei Leute, die, wie weiland Thomas Schlüter, einfach mit ihrem Instrument antanzen und spielen wollen.
Und seit ein paar Jahren sorgt der Herrenberger Martin Johnson, früher bei Chicken Farm, jetzt bei Boogaloo und Produzent der Fantastischen Vier, für die musikalischen Überraschungen: Am 26. Dezember will er neben den Session-Urmitgliedern Phillip Konowski und Michael Walter den Landesjazzpreisträger von 1996, Andreas Maile, mitbringen.
Die 25. Sindelfinger Weihnachtssession geht am 26. Dezember, ab 18.30 Uhr über die Bühne der Klosterseehalle.
